Rede von Peter Neuhof im Rathaus Treptow zum 80. Jahrestag der NS-Pogromnacht von 1938

26. Januar 2022

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»Ein paar Worte, Gedanken von einem, der mit viel Glück die braunen Jahre überlebt hat, auch weil es Menschen gab, die nicht mit Hitler paktierten, die mich in dieser grausamen Zeit unterstützen, mir Mut gaben, die ihre Menschlichkeit bewahrten. Es war die Zeit, in der so viele verfolgt wurden, besonders Juden. Deutschland vor 80 Jahren. Deutschland am 8.und 9. November 1938. Es fällt mir nicht leicht daran zu erinnern wenn ich an die vielen Angehörigen meiner Familie denke, die Opfer des Rassenwahns der Faschisten wurden. Und doch war das damals nur ein Vorspiel von dem was noch kommen sollte. Ein grausames. Synagogen brannten, Nazimob tobte sich aus, auf Befehl, brandschatzte, mordete. In aller Öffentlichkeit. Ein jüdischer Junge hatte in Paris einen Nazidiplomaten niedergeschossen, verzweifelte Antwort in einer schier ohnmächtigen Zeit.
Für die Nazis wie gerufen. Geheimes Fernschreiben vom 9. November an alle Stapo – Stellen und Stapo – Leitstellen: “Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Synagogen stattfinden. Sie sind nicht zu stören” und weiter: “Es ist vorzubereiten die Festnahme von 20- 30 000 Juden”. Dann begannen die Stunden für die zusammengetrommelte SA und HJ. Das war nicht spontaner Volkswille, wie die Zeitungen zu lügen wussten. Aus dem Tagebuch von Goebbels, dem Minister für Volksaufklärung und Propaganda, dem Einpeitscher jener Tage. “Der Führer hat angeordnet, dass 20 – 30 000 sofort zu verhaften sich… In Berlin brennen 5, dann15 Synagogen ab. Jetzt rast der Volkszorn.. Laufen lassen. Als ich ins Hotel fahre, klirren die Fensterscheiben. Bravo! Bravo! Wie alte große Hütten brennen die Synagogen“.

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Initiative »STOLPERSTEINE«

17. November 2021

Der Satzung des Bundes der Antifaschisten Treptow gemäß gehört es zu seinen Zielen, Faschismus und Neofaschismus, Rechtsextremismus und Rassenhass entgegen zu treten. Zugleich gilt es aber auch, gegen die Gleichgültigkeit.zu kämpfen, denn Gleichgültigkeit ist der Gegner von Menschlichkeit! Wir denken, dass uns STOLPERSTEINE dabei helfen können. Denn die Steine sind dem Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes gewidmet. Sie erinnern an Gewesenes, das nie vergessen werden darf. Auch sind sie dazu bestimmt, dass Menschen heutiger und späterer Generationen bei ihrem plötzlichen Anblick im übertragenen Sinne STOLPERN und verharren, ins Grübeln über die Bedeutung dieser Gedenksteine kommen, das menschenfeindliche Wesen des Faschismus wahrnehmen. STOLPERSTEINE sollen dazu beitragen, dass Menschen nicht gleichgültig sind, sondern sich der Fremdenfeindlichkeit, dem Rassenhass und dem Antisemitismus entgegenstellen.

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»Stolpern« heißt auch darauf stoßen

26. September 2021

Am 9. Juni 2005 wurden in Adlershof die ersten zwei Stolpersteine eingeweiht. Sie liegen Dörpfeldstraße 23 Ecke Friedenstraße. Adlershofer Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Geschichte der Anna-Seghers-Schule waren beteiligt. Letztere hatten ein kleines Programm vorbereitet, dass dem Anlass angemessen war. Die Namen der dreißig jüdischen Opfer des Nationalsozialismus wurden verlesen, etwas zur Geschichte des Ortes aus dieser Zeit, vom Ortschronisten Rudi Hinte zusammen getragen, wurde verlesen. Frau Mendel, Bezirksstadträtin und Tochter eines Antifaschisten, der Jahre seines Lebens in Konzentrationslagern gelitten hatte, sprach sehr persönliche Worte. Blumen wurden nieder gelegt. Der Gemüsehändler von der anderen Straßenseite erklärte seinen Kunden, um was es denn bei der Veranstaltung geht. Leute blieben stehen, sahen sich die beiden Steine an. Vielen von ihnen wird bekannt sein, dass es bei den Stolpersteinen darum geht, sich an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politisch anders Denkender, Homosexueller, Bibelforscher und Behinderter Menschen durch die Nationalsozialisten zu erinnern.

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