Debanking des BdA Treptow e.V.
11. September 2026
Debanking, Deutsche Bank, Nobanking, Postbank, Sparkasse
Die Postbank kündigte dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Treptow e. V. das Vereinskonto, die Berliner Sparkasse verweigerte zunächst eine Kontoeröffnung – dem Debanking folgte „Nobanking“.
Seit Ende April 2026 verfügen wir wieder über ein Vereinskonto!
Der BdA Treptow e. V., einer der aktivsten Akteure für antifaschistische Erinnerungspolitik und Demokratiebildung im Bezirk, benötigt ein Vereinskonto für die Fortsetzung seiner seit 36 Jahren erfolgreichen und anerkannten politischen und zivilgesellschaftlichen Tätigkeit. Dazu zählt neben der Betreuung der Opfer des NS-Regimes und ihrer Nachkommen sowie dem Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht zuletzt das Verlegen von Stolpersteinen. Ohne Konto ist Vereinsarbeit, auch nach dem Vereinsgesetz, nicht möglich.
Im Einzelnen:
Anfang Februar 2026 erhielt der BdA Treptow von der Postbank ohne Angabe von Gründen die Kündigung sowohl seines Vereins- als auch seines Unterkontos für Stolpersteine zum 30. März 2026. (Es ist naheliegend, dass von Trump angedrohte Finanzsanktionen für alles mit Bezug zu „Antifa“ der Grund sein könnten.)
Betroffen von der Kündigung der Postbank waren auch die Berliner VVN-BdA, sowie zwei weitere lokale Gliederungen der VVN-BdA.
Dagegen protestierten wir bei der Postbank und der Deutschen Bank, zu der die Postbank inzwischen gehört. Als Vorsitzende des BdA Treptow schrieb ich an ihren Vorstand
„… dass Ihre Kontokündigung einer Organisation die Geschäftsfähigkeit entzieht, die von den Verfolgten des Nationalsozialismus gegründet und in deren Sinne von ihren Nachfahren gemeinsam mit jüngeren Antifaschistinnen und Antifaschisten fortgeführt wird. Einige unserer Mitglieder sowie Antifaschist*innen und deren Nachkommen in der ganzen Welt sehen Parallelen zum aufkommenden deutschen Faschismus Anfang der 1930er-Jahre. Da Sie die Gründe Ihrer Ablehnung nicht benennen, steht der Verdacht im Raum, unsere antifaschistische Haltung und Tätigkeit sei Ursache für die Kündigung unseres Kontos durch die Postbank. Um dem entgegenzuwirken, bitten wir Sie, uns mitzuteilen, was die Postbank zu diesem Schritt veranlasste.“
Zuvor verwies bereits Monika Seiffert in Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden von Deutscher Bank und an die Postbank auf die Konsequenzen der Kontokündigung für die ehrenamtliche erinnerungspolitische Arbeit der Stolperstein-Initiative des BdA Treptow, nicht zuletzt, weil sie zur Finanzierung der Gedenksteine für die NS-Opfer auch Spenden von Angehörigen aus dem Ausland erhält.
Der Fall war dann eingetreten. Nachkommen von jüdischen Verfolgten, für die wir im September Stolpersteine in Berlin-Johannisthal verlegen, baten um die Kontodaten. Wir konnten sie nicht nennen und mussten erklären, dass Postbank bzw. Deutsche Bank uns das Konto ohne Angabe von Gründen gekündigt haben.
Auf keine unserer Fragen erhielten wir konkrete Antworten, weder von der Postbank noch von der Deutschen Bank.
Um die Geschäftsfähigkeit zu sichern, stellten wir bereits am 12. Februar bei der Berliner Sparkasse als Grundversorger auch für Vereine einen Antrag auf Kontoeröffnung. Die Einrichtung eines Vereinskontos wurde uns am 17. April 2026 ohne Begründung verweigert. Dagegen haben wir sofort Widerspruch eingelegt. Unterstützung erfuhr der BdA Treptow umgehend von Dr. Gregor Gysi, dem Bezirksbürgermeister Oliver Igel sowie Moritz Warnke, Bezirksvorsitzender der Linken in Treptow-Köpenick.
Der Berliner Landesverband der VVN-BdA gab eine Presseerklärung heraus. Es berichteten nd, TAZ, Berliner Zeitung, zum Teil mehrmals inklusive Interviews mit mir.
Daraufhin luden wir unsere Mitglieder und Unterstützer zu einer Kundgebung am 24. April 2026 vor der Konzernzentrale der Berliner Sparkasse ein.
Am 22. April erklärte mir der Kommunikationschef der Berliner Sparkasse telefonisch, dass wir umgehend ein Konto erhalten, es keine Ablehnungsgründe gebe und die Sparkasse unsere Werte teile. So feierten wir am 24. April auf der Kundgebung vor über 70 Unterstützern den erfolgreichen demokratischen Kampf um das Konto.
Die Folgen der Kontokündigung waren für unseren Verein enorm. Monatelang konnten keine Verbindlichkeiten gezahlt werden, was zu Strafgebühren führte. Die Mitglieder konnten ihre Beiträge und Spenden nicht überweisen. Alle Mitglieder mussten nun ihre Einzahlungen ändern, was auch zu Einnahmeverlusten für den Verein führte.
Die Vorstandsarbeit litt, weil so viel Zeit und Kapazität auf diese Arbeit konzentriert war. Diese Vorfälle zeigen, wie gefährdet demokratische Vereine sind, aber auch, dass gemeinsamer Kampf zum Erfolge führt.
Ellen Händler, Mai 2026
